Moderne Portfoliotheorie - Die Kunst des Investierens

Portfoliotheorie

Nicht selten beschreiben die Medien, ja sogar Anlageberater und Finanzfachleute, das Investieren als unberechenbar und mythenhaft.

Börsengurus streuen ihre Halbwahrheiten ins Volk, ein ernsthaftes Interesse an der Vermittlung der Grundlagen des Investierens besteht nicht.

Schließlich lebt eine ganze Branche nicht zuletzt vom Unwissen des einzelnen Kleinanlegers. Dabei gibt es durchaus einige wissenschaftlich erprobte Grundsätze des Investierens.

So müssen auch Sie als Kapitalanleger keinesfalls den Kauf Ihrer Fonds dem Zufall überlassen. Die Antworten auf viele Fragen, gerade von Börsenneulingen, liefert die Moderne Portfoliotheorie.

Diese geht zurück auf den US amerikanischen Ökonomen Harry M. Markowitz. Für die von ihm entwickelten Berechnungsmethoden der Klassifikation von Wertpapierportfolios erhielt Markowitz 1990 den Nobelpreis. Was zunächst hoch wissenschaftlich anmutet, kann durchaus jeder Kleinanleger mit Grundkenntnissen in Excel am heimischen Rechner nachvollziehen.

Der wichtigste Grundsatz der modernen Portfoliotheorie unterscheidet die Börsenteilnehmer in Investierende und Spekulierende. So lautet er: Marktbewegung können unmöglich vorhergesagt werden! Jeglicher Versuch kurz-, mittel- oder langfristig Börsenentwicklungen vorraus zu sagen, fällt in den Bereich reine Spekulation. Kein seriöser Anlageberater sollte dieses tun.

Alle Berechnungen die Markowitz anführte, gehen auf diesen Grundsatz der Unvorhersehbarkeit zurück. Im logischen Umkehrschluss zur oben genannten Feststellung, bleibt lediglich eine Optimierung des eigenen Portfolios nach den Grundregeln der Wahrscheinlichkeitstheorie.

So kam Markowitz zur Einsicht, dass durch effektives kombinieren von Anlageklassen einerseits die Renditeerwartung erhöht und andererseits das mit dem Investieren einhergehende Risiko reduziert werden kann.

Der durch zahlreiche Bücher und Interviews bekannte Spekulant Kostolany verspottete Markowitz einst in einem seiner Werke. So sei die Grundregel des Diversifizierens (das Streuen der verfügbaren Mittel) doch allen Anlegern hinreichend bekannt. Die Realität zeigt jedoch das Gegenteil.

Dabei lassen sich die von Markowitz gewonnenen Erkenntnisse fast genauso leicht umsetzen, wie man Kostolanys fast immer unterhaltsame Lektüre lesen kann. Auch Sie können eine erhebliche Risikominderung mit drei einfachen Planungsschritten erreichen:

Im ersten Schritt sollten Grundkenntnisse über die Eigenarten, das Risiko und die Renditeerwartungen der verschiedenen Anlageklassen erworben werden. Nehmen Sie sich ein Buch zur Hand oder stöbern Sie auf dieser Seite.

Im zweiten Schritt sollten Sie sich einen Überblick darüber verschaffen, wie sich die verschiedenen Anlageklassen untereinander verhalten. Der Statistiker spricht hier von einer Korrelation, einer statistischen Übereinstimmung in einem bestimmten zurückliegenden Zeitraum. Dieser Schritt verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele. Entweder die Erzielung eines maximalen Gewinns mit bekanntem Risiko oder die Erzielung eines abschätzbaren Gewinns mit möglichst geringem Risiko. An dieser Stelle werden Ihnen sicherlich Parallelen zum aus der Wirtschaft bekannten Minimal- und Maximalprinzip auffallen.

Im dritten Schritt Ihrer Depotplanung gilt es, eine auf Ihre individuellen Bedürfnisse passende Strategie zu entwerfen. Sie müssen festlegen, wie sich die Aufteilung Ihres Depot verhalten soll. Die jeweiligen Anlageklassen (Aktien, Renten, Rohstoffe, Bargeld) müssen bestimmt und gewichtet werden.

Nachdem dieser Planungsprozeß abgeschlossen wurde, bleibt die Auswahl der geeigneten Produkte. In der Regel werden Sie so vor allem auf Exchange Traded Funds und globale Aktienfonds stoßen. Kein Wunder, ist doch die Risikodiversifizierung in diesen Produkten zum Teil schon eingebaut.

So könnte eine einfache Anlagestrategie aus einem einzelnen ETF auf den MSCI World und einem breiten Rentenfonds bestehen. Ein komplexeres Portfolio könnte beispielsweise zu 50 % einen globalen Aktienfonds, zu 20 % einen europäischen Aktienfonds, zu 20 % Deutsche Staatsanleihen und zu 10 % einen Schwellenländer Fonds enthalten.

Auf den folgenden Unterseiten vermittel ich Ihnen eine Übersicht über die Funktionsweise der Portfoliotheorie. Zum besseren Verständnis empfehle ich unsere Artikel vor allem den Lesern, die bereits über erste Börsenerfahrungen und entsprechende Grundkenntnisse Verfügen. Den noch gänzlich unbedarften Lesern sei an dieser Stelle das FAZ.net Spezial Basiswissen für Anleger empfohlen.

Thema: Moderne Portfoliotheorie

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